Am Horizont erlischt der letzte, fahle Lichtstreifen. Eine wärmende Stille umarmt
behutsam alles Leben. Während Zeit als Maß aller Dinge in diesen Momenten
an Wert verliert, rauscht in den Bäumen eine Melodie, welche geschützt durch
die Dunkelheit ihren Weg in die Welt hinaus findet. Irgendwo zwischen dem
Verschwinden der Zeit und der Geburt des Universums tanzt ein Geist in wilden
Drehungen um sich selbst, während der verzückte Gesang einer Sirene lieblich vom Ende
der Zivilisation erzählt. Wir stehen gemeinsam in einem großen Kreis um einen magischen
Ort, an dem die Nacht behutsam in Klang und Ton erleuchtet ist.
Dieser Ort heißt »Imentu« und seine vier Schöpfer bringen uns auf ihrem Debutalbum
»Euphoria« genau das, wovon der Titel kündet. Tanz und Tränen liegen sehr nahe beieinander,
wenn die Musik von Jannis (Gitarre), Melvin (Bass) und Christoffer (Schlagzeug) zu
den verträumt-mehrdeutigen, doch gleichzeitig malerisch-glänzenden Vokalen von Linda
(Gesang) das Innehalten in einer Zeit des Rausches zelebrieren. In der Mitte steht ein zarter
Gedanke; der Gedanke des Lebens, dem sie liebevoll neuen Atem einhauchen.
So zerbricht das Eröffnungsstück »I Rely On Phantoms« bereits nach Sekunden steinerne
Wälle, um den Blick auf die Klanglandschaften »Imentus« freizugeben. Das Quartet schöpft
dabei sowohl aus allen klanglichen Möglichkeiten ihres Instrumentariums, wie auch aus
allen technischen Finessen zeitgenössischer Soundgestaltung. So entwerfen sie nie gehörte
Musikskulpturen, deren innere Leichtigkeit auch die tiefste Nacht zu illuminieren
vermögen. Auf Stücken wie »Incommunicado«, »The Sea, My Bedspread« oder »At Last In
Silence« erscheinen »Imentu« so, als musizierten sie bereits mehrere Generationen. Die
Begriffe »Rock« oder »Alternative« verlieren dabei an Kontur. »Imentu« ist mehr als ein
Begriff. »Imentu« ist vielmehr ein Stück musikalischer Kultur. Zeitlos entrückt, als schwereloser
Geist, durchtränkt von einem neuen Gefühl: »Euphoria«.
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