Unpubliziert

кожа, Demaskierte Mechanismen.
Kann Musik außerhalb eines Systems entstehen, das alles Abweichende rasch vereinnahmt? Mirco Dalos hat einen couragierten Versuch unternommen, sie zu erschaffen. Das Ergebnis: »Lebensborn«, ein faszinierender und verstörender Liederzyklus. »Warum dieses Album so klingt, wie es kling und warum ich Menschen ein Stück wie 'Meridian' zumute? Weil ich den Hörer ernst nehme!« Mirco macht von vornherein klar, dass es mit Vielem, was dem Hörer heute an Musik offeriert wird, nicht einverstanden ist. »Kunst hat für mich auch einen bildenden Charakter. Ich maße mir nicht an, dass meine Musik Leben verändern kann, aber zumindest soll sie Denkanstöße geben. Das heißt aber nicht, dass wir das Album absichtlich sehr unzugänglich gestaltet haben. Die einzige Maxime war, dass jeder Text in der für ihn angemessenen Form präsentiert werden sollte. Wir haben versucht, alle störenden Faktoren auszublenden und uns gesagt, das Wichtigste sei, die Stücke so umzusetzen, wie wir es für richtig halten.«Das konnte im einen Fall bedeuten, dass die bedrückende Geschichte eines drangsalierten Jungen von Schauspieler Lucas Macke eindringlich als Spoken-Word-Performance interpretiert wurde, es konnte aber auch heißen, dass Mirco alte Schellackplatten aus dem Deutschen Musikarchiv in Berlin ausschlachtete, um in »Fearsome Freezone« durch die Verknüpfung volkstümlicher Wehrmachtsgesänge und stumpfer Beats deutsche Kontinuitäten aufzuzeigen. »Ich hatte nicht vor, ein antideutsches Album zu machen«, betont Dalos, »aber es gibt Dinge, die mich beschäftigen, weil sie sich seit vielen Jahrzehnten nicht geändert haben. Ich habe einmal gesagt: Solange Roland Kaiser singen darf: '…und die Tür zu deinem Zimmer lässt du offen', solange gibt es für mich einen Grund, Kunst zu machen.

[ weiter lesen ]