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Unpubliziert
Es ist doch klar, was da eigentlich gemeint ist und dem Spießer gefällt so etwas natürlich.« Darüber, wie indiskutabel Schlager sind, braucht man nicht lange zu reden. Mirco ist allerdings auch der Gegenkultur gegenüber ausgesprochen skeptisch: »Nimm diese ganzen Platten mit 'Parental-Advisory'-Aufdruck. Das ist doch keine Warnung vor subversiven Inhalten, sondern im Grunde eine Kaufaufforderung«, macht er seinem Unmut Luft. »Für eine bestimmte Art von Provokation hat das System längst eine Nische vorgesehen und die entsprechenden Künstler auf diese Weise integriert.« »Lebensborn« nimmt auf diesen Umstand im Booklet Bezug – mit einem Nacktfoto das mit einem »Censored to increase attention«-Hinweis entschärft wurde. Von der Perfidie einer Erwachsenenwelt, die Kinder von Anfang einzuspuren versucht – bis hin zur missbräuchlichen Unterwerfung, wie sie beklemmend in »Meridian« geschildert wird, bis zu den Gräueln der Nazi-Vergangenheit: кожа will Statements abgegeben, Statement sein. Aber worum handelt es sich überhaupt genau? Ein Projekt? Eine Band? Mirco beschreibt das Verhältnis zu seinen künstlerischen Partnern auf »Lebensborn« als Kollektiv. »Wir sind keine Band, die sich regelmäßig zum Proben trifft, aber wir sind Geistesverwandte, die ähnliche Ansichten haben und gemeinsame Ziele verfolgen. Vielleicht lässt sich das ein bisschen mit Josef Beuys und den ihn umgebenden Künstlern vergleichen. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es weitere gemeinsame Arbeiten geben wird. Vielleicht auch Live-Performances. Das wird wahrscheinlich noch dauern bis die nächste Veröffentlichung erschienen ist, dann würden wir aber gerne etwas Besonderes inszenieren. Vielleicht auf kleinen Theaterbühnen.«
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Ungewöhnlich ist nicht nur die heterogene Zusammenstellung der Mitwirkenden und der musikalischen Mittel. Auch die Entstehung der einzelnen Bestandteile von »Lebensborn« ist von Experimentierfreude geprägt. »'Sound Fingers' war so eine Geschichte«, erinnert sich Dalos. »Die Musik zu diesem Stück haben wir damals live eingespielt, unter sehr speziellen Bedingungen: Wir ließen uns im Studio einschließen, mit der Vorgabe, uns erst Stunden später wieder rauszulassen. Mit Heizlüftern haben wir die Bude dermaßen aufgeheizt, dass die Sampler abzustürzen begannen. Es wurde wirklich unerträglich. Wir haben unter diesen Umständen stundenlang musiziert. Für die Platte haben wir nur sieben Minuten davon verwendet, aber denen hört man finde ich etwas von ihrer Entstehung an.« Ganz anders verliefen die Aufnahmen zu »Meridian« mit Lucas Macke. Mirco: »Wir hatten einen Teil des Arrangements offen gelassen, weil wir erst mal abwarten wollten, wie kalt das Ganze wird. Wie schizoid. Lucas’ Interpretation ist fantastisch! Allein dieses eine »tja'« zwischendurch entlarvt die ganze Brutalität dieser Logik, die einem Vergewaltigungsopfer unterstellt, der Rock sei eben zu kurz gewesen oder Missbrauch abtut, weil das Wichtigste immer ist, irgendwie mit dem Arsch an die Wand zu kommen.« »Lebensborn« ist Ausdruck der Auflehnung gegen inhumane Mechanismen. Wer von Musik mehr erwartet, als Entspannung, dem eröffnen кожа eine mal sperrig, mal eingängig verpackte Möglichkeit, das eigene Denken auf Trab zu halten.
Christoph Kutzer
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