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PROJEKT
Der Albumtitel »Lebensborn« beschreibt nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, das Projekt der Nationalsozialisten, bei dem es um die Zucht von Ariern ging.
Der Titel und das Zuchtprojekt inspirierten jedoch das Projekt und letztendlich den Albumtitel. Das gesamte Album verarbeitet diverse gesellschaftliche
Erlebnisfelder und eines davon ist jene der Zensur // Gleichschaltung, sowie die physische und psychische Anpassung der Menschen heute an ein omnipräsentes System
von Erwerbsarbeit und Konsum. Der Inhalt des Tonträgers bildet hier deutsche Kontinuität ab, denn bereits seit der Industrialisierung, mit erstem Höhepunkt
im Nationalsozialismus gab es nur eine Daseinsberechtigung für den Menschen, wenn diese mit Erwerbsarbeit verbunden ist. Auf die Spitze getrieben wurde dieses
Menschenbild im Zynismus der Todesfabriken, insb. Auschwitz I mit der Innenschrift »Arbeit macht frei.« Mit Freiheit wird hier offensichtlich der Tod durch Arbeit
beschrieben, eine Pervertierung der originären Bedeutung des Begriffes »Freiheit.« Auch »Lebensborn«, was »Quell des Lebens« bedeutet, ist als Pervertierung der
eigentlichen Bedeutung zu verstehen.
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Im Deutschland des 21. Jahrhunderts gilt weiterhin der erwerbsarbeitende Mensch als »Leistungsträger«, während der nicht-erwerbsarbeitende Mensch sich durch ein zynisches
System von Behörden und Stigmatisierungen (SGB II, auch als Hartz-Gesetze bekannt) quält. Durch ständige Anspannung und Angst soll der nicht-erwerbstätige letztendlich
zu »Leistung im Sinne des Systems« gezwungen werden. Das Menschenbild, dass hierbei reflektiert wird, geht von einer ausschließlichen Lebensberechtigung des Menschen aus,
wenn dieser sich dem Arbeit // Konsum-System unterwirft.
Gleichzeitig und systemimmanent steigen die Kontrollmöglichkeiten des Staats und seiner Apparate fortlaufend an. Stimmen, die das herrschende System in Frage stellen, gelten
folglich schnell als deviant. Von diesem Punkt aus operiert das Album »Lebensborn«, in dem es imaginiert, dass in Zukunft mit Hilfe von Genmanipulation und psychischer
Einwirkung der perfekte Konsument geschaffen wird und damit am Ende jede Regung eigenständigen Handels unterdrückt wird. Dies würde vor allem im Sinne der Kunst als »Ende des
Lebens«, also das Gegenteil von »Quell des Lebens« anzusehen sein.
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